5S-einfach kreativ

Beitragsbeschreibung

2/7/20262 min read

Ein ganz normaler Tag. Zwölf Menschen aus Produktion, Werkstatt, Logistik und Innendienst sitzen im Raum. Unterschiedliche Bereiche, unterschiedliche Erfahrungen – und vorne steht ein Externer, den niemand kennt. Die Stimmung ist verhalten, die Blicke skeptisch. Noch so ein Workshop. Noch so eine Methode.

Als es in die Praxis geht, kommt die erste ehrliche Frage schnell auf den Tisch: „Woher sollen wir denn den ganzen Platz für die Ordnung mit 5S nehmen?“ Ein Satz, der typisch ist. Der Gedanke dahinter: 5S bedeutet zusätzliches Chaos, zusätzliche Arbeit, zusätzliche Flächen.

Ein paar Stunden später klingt es schon anders. Die Gruppe steht an einer Werkbank, diskutiert, probiert aus. „Ah, wir machen das so.“ – „Hier haben wir uns das überlegt.“ – „Peter aus der Instandhaltung macht sich auch schon Gedanken zur Aufhängung im anderen Bereich.“ Aus Zurückhaltung wird Beteiligung. Aus Skepsis wird Neugier. Und genau da beginnt echte Veränderung.

Am Ende des zweiten Workshoptages fällt dann dieser Satz: „Mega, hat das Spaß gemacht. Es ist unglaublich, wie viel Platz wir jetzt mehr haben und die Übersicht ist einfach grandios. So glaube ich, werden wir das sicherlich beibehalten.“ Mehr muss man über die Wirkung von 5S eigentlich nicht sagen.

Auf dem Bild zu diesem Beispiel sieht man eine Werkbank. Die Werkzeuge, die dort regelmäßig gebraucht werden, hängen direkt an der Rückseite – genau an der Stelle, an der sie auch benutzt werden. Keine Schubladen, kein Suchen, kein Umräumen. Die Lösung: einfache Topf- und Hakenmagnete. Die Idee kam von den Mitarbeitenden selbst, und sie haben sie direkt umgesetzt.

Ein solcher Magnet kostet etwa 2,50 bis 3 Euro pro Stück. Beim Einkauf größerer Mengen geht da preislich noch etwas. Der Nutzen ist sofort spürbar: direkter Zugriff am Ort der Verwendung und klare Transparenz. Wenn ein Werkzeug fehlt, sieht man es auf einen Blick – bevor es im falschen Moment gebraucht wird.

Die Umsetzung hat rund 15 Minuten gedauert. Die Materialkosten lagen bei ungefähr 27 Euro. Zum Vergleich: Ein Shadowboard in dieser Größe hätte erst bestellt werden müssen, inklusive Abstimmung und Wartezeit. Es hätte montiert werden müssen. Und es hätte irgendwo zwischen 300 und 500 Euro gekostet.

Ich bin ein großer Fan von professionellen Shadowboards, zum Beispiel von Senne Products. Wenn ein Unternehmen bereit ist, in solche Lösungen zu investieren, ist das ein starkes Signal. Es zeigt, dass das Thema wirklich ernst genommen wird. Gleichzeitig kann und will nicht jedes Unternehmen mal eben mehrere Tausend Euro nur für Shadowboards ausgeben. Und genau deshalb ist es gut, dass es unterschiedliche Wege gibt.

Entscheidend ist nicht, ob am Ende ein perfekt designtes Board hängt oder eine pragmatische Magnetlösung. Entscheidend ist, dass die Funktion von 5S erfüllt wird: Es wird nichts mehr gesucht. Fehlende Dinge werden sofort erkannt, bevor sie gebraucht werden. Der Arbeitsplatz unterstützt die Arbeit, statt sie auszubremsen.

Wenn ihr Suchzeiten reduzieren wollt und gleichzeitig die kreativen Köpfe in eurem Unternehmen aktivieren möchtet, dann ist genau das der richtige Ansatz. Mein Part dabei ist es, Führungskräfte und Mitarbeitende für Veränderungen mit 5S zu gewinnen, sie aktiv einzubeziehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die im Alltag wirklich funktionieren. Denn nachhaltige Verbesserung entsteht nicht durch Ansagen, sondern durch Beteiligung.