
Prozessoptimierung in der Praxis: Warum der Blick vor Ort mehr bringt als jedes Tool
Beitragsbeschreibung
2/22/20263 min read


Ihr denkt, ihr kennt eure Prozesse? Wann habt ihr sie euch das letzte Mal direkt vor Ort angesehen – und wirklich mit den Menschen gesprochen, die täglich damit arbeiten?
Viele Unternehmen setzen bei der Prozessoptimierung auf große Tools, komplexe Methoden und umfangreiche Softwarelösungen. Das hat absolut seine Berechtigung. Aber häufig geht dabei der Blick für das Wesentliche verloren. Für viele Probleme braucht es keine neue Methode, sondern gesunden Menschenverstand und einen ehrlichen Blick auf die Realität im Arbeitsalltag.
Einfach mal mitlaufen. Zuhören. Fragen stellen.
Was dabei ans Licht kommt, sind selten spektakuläre Überraschungen. Stattdessen tauchen Themen auf, die eigentlich längst bekannt sind – aber nie konsequent gelöst wurden. Kleinigkeiten mit großer Wirkung: fehlende Standards, schlecht definierte Schnittstellen, Informationsverluste, Doppelarbeit oder unnötige Rückfragen zwischen Abteilungen.
Genau darauf liegt aktuell mein Fokus in zwei laufenden Mandaten zur Prozessoptimierung. Ziel ist es, die bestehenden IST-Prozesse auf den Prüfstand zu stellen und systematisch zu analysieren, wo sich über die Zeit unnötige, umständliche oder instabile Abläufe eingeschlichen haben.
Das Vorgehen ist bewusst einfach und praxisnah. Zunächst werden klare Fokusbereiche definiert, zum Beispiel Produktion, Lager und Service. Anschließend begleite ich die Teams mehrere Tage intensiv direkt vor Ort. In einem aktuellen Projekt waren es dreieinhalb Tage reine Beobachtung, Gespräche und Prozessdurchgänge.
Das Ergebnis war deutlich: Rund 30 konkrete Hebel, die täglich zu Zeitverlusten führen. Die grobe Potenzialschätzung lag bei 20 bis 30 Stunden Zeiteinsparung pro Tag – wohlgemerkt bei nur 25 Mitarbeitenden in den betrachteten Bereichen.
Viele dieser Themen waren rein organisatorischer Natur. Fehlende oder unklare Standards, Brüche an Schnittstellen zwischen Abteilungen, kleine aber wirkungsvolle EDV-Themen oder historisch gewachsene Abläufe, die nie sauber hinterfragt wurden. Nichts davon hochkomplex – aber in Summe ein massiver Effizienzverlust.
Der Geschäftsführer war überrascht, wie viele dieser Stolpersteine im Alltag einfach akzeptiert wurden. Nicht aus Ignoranz, sondern aus Gewohnheit. Das Team selbst hatte viele dieser Probleme längst erkannt. Aber wenn sich über Jahre nichts ändert, hört irgendwann jeder auf, sie anzusprechen.
Genau hier beginnt die eigentliche Arbeit. Nach der Analysephase gehen wir gemeinsam in die Umsetzung. Ich begleite die Teams erneut mehrere Tage vor Ort, diesmal mit klarer Umsetzungsrolle und als Projekttreiber. Themen werden priorisiert, Maßnahmen definiert und direkt im Arbeitsalltag getestet und eingeführt.
Nach zwei bis drei Monaten folgt eine transparente Bewertung der umgesetzten Maßnahmen. Was hat wirklich Wirkung gezeigt? Wo muss nachgeschärft werden? So wird Prozessoptimierung nicht zum einmaligen Workshop, sondern zu einer nachhaltigen Verbesserung der täglichen Arbeit.
Das Beste an diesem Vorgehen: Die Mitarbeitenden sind voll dabei. Sie spüren, dass es nicht um Kontrolle geht, sondern um echte Entlastung und bessere Abläufe. Für ihre Arbeit, für das Unternehmen und am Ende auch für den Kunden.
Diese einfache, praxisnahe Vorgehensweise hat enorm viel Output gebracht. Gleichzeitig war die Rückmeldung der Mitarbeitenden eindeutig: Es tut gut, wenn jemand zuhört, Probleme ernst nimmt und nicht nur dokumentiert, sondern gemeinsam anpackt und Lösungen umsetzt.
Auch für mich war das eine besonders spannende Phase. Tief in Prozesse einzutauchen, Zusammenhänge zu verstehen und organisatorische Hebel zu bewegen, ist etwas anderes, als klassische 5S-, Shopfloor- oder visuelles-Management-Projekte umzusetzen. Genau darauf werde ich künftig einen noch stärkeren Fokus legen.
Wenn ihr Prozesse verbessern wollt – nicht auf dem Papier, sondern im echten Arbeitsalltag – dann ist ein neutraler Blick von außen oft genau der richtige Startpunkt. Manchmal reicht es, genau hinzusehen, die richtigen Fragen zu stellen und die Dinge konsequent anzugehen.
Und ja, das Bild ist übrigens heute früh entstanden. Samstags ist es hier Tradition, dass alle Mitarbeitenden ein Leberkäsbrötchen von der Firma bekommen. In dem Fall habe ich natürlich gern mitgemacht.
ml+ Manuel Lehmann
Graf-von-Galen Str. 8
58706 Menden, Sauerland
www.5s-coaching.de
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